Kairo ist nicht nur die größte Stadt des Landes, sondern auch des ganzen afrikanischen Kontinentes. Die Zahl der Einwohner liegt geschätzt bei 19 Millionen. Vom Nordosten an der Suez-Autobahn bis zu den Pyramiden im Westen reiht sich über eine Strecke von über 50km Haus an Haus. Kairo ist riesig, ein Moloch. Laut, quirlig und stickig.
Obwohl Kairo eine Weltstadt ist, sind die Menschen hier noch sehr mit ihren Traditionen verbunden. Die älteren Männder tragen die Kleidung der einfachen Bauern, der Fellachen und die Frauen sind verschleiert. Die jüngeren Ägypter sind häufiger schon in westlicher Kleidung zu sehen, auch die Mädchen. Diese aber nie ohne Kopftuch. Ganz selten, dass ich mal eine Frau oder ein Mädchen ohne Kopftuch gesehen habe.
Aus den vielen Minaretten der Stadt ertönt 5 mal am Tag der Ruf des Muezzin zum Gebet, dem die meisten Muslims auch Folge leisten, egal, womit sie gerade beschäftigt waren.
Die meisten Menschen hier leben in sehr beengten Verhältnissen in mehrstöckigen Häusern, die teilweise nur noch als Baracken zu bezeichnen sind. Eine Wohnung in einem Neubau ist sehr teuer und nur die Leute der reichen Oberschicht (man nennt sie die "fetten Katzen") können sich solchen Wohnraum in Kairo leisten. Die arme Bevölkerung lebt in Altbauten, die nicht mehr saniert und sich selbst überlassen werden. Da ist die Miete sehr gering. In den wachsenden Außenbezirken der Stadt blüht das "wilde Bauen". Bauen ohne Baugenehmigung ist zwar nicht erlaubt, wird aber offenbar toleriert. Manchmal lassen die Behörden hier und da ein Haus abreissen, aber ernsthaft durchgegriffen wird nicht. Auffällig ist in Neubaugebieten, dass es fast nur "Dauerbaustellen" gibt. Hier nutzen die Häuslebauer eine Steuerlücke aus: Steuern für ein Haus werden erst fällig, wenn es komplett fertig gestellt ist.
Der Straßenverkehr in Kairo ist abenteuerlich. Die Vorfahrtsrecht wird mit der Hupe geregelt. Auf der Straße spielt sich das Leben ab. Autos, Fußgänger, Eselskarren und Pferdekutschen - alles drängelt sich gemeinsam vorwärts. An den Straßenrändern stehen die Menschen oft lachend und gestikulierend herum, auf den Bürgersteigen sitzen Händler und bieten verschiedene Waren an.
Die Autos sind meist überbeladen von Menschen und Gepäck. Der Zustand
der Autos ist optisch und technisch katastrophal. Es gibt zwar einen TÜV,
aber der prüft sicher nicht nach deutschen Kriterien - und ein bißchen
"Schmiermittel" ist da hin und wieder auch bei. Ein ägyptisches
Auto kann aus vielen Gründen auf dem Autofriedhof landen, nur aus einem
nicht: Durchrostung. Dafür ist die Luft zu trocken und wenn es ganz selten
ein bißchen regnet, ist es sofort wieder trocken. Es gibt fahrtüchtige
Autos, die sind 40 Jahre alt und älter.
Wem das Autofahren suspekt ist, kann auch mit der Kairoer U-Bahn fahren, es
ist die die einzige U-Bahn in ganz Afrika.
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Am Fuße der mächtigen Pyramiden von Gizeh reichen sich Geschichte und Gegenwart in der Weltstadt Kairo die Hand. Kairo selbst ist offiziell erst 100 Jahre alt, doch besiedelt ist die Gegend am beginnenden Nildelta schon seit Jahrtausenden. Kairo ist eine zusammengewachsene Stadt und neben den Moslems, die den größten Anteil ausmachen, leben hier auch seit Jahrhunderten christliche Glaubensgemeinschaften. Eines der ältesten Stadteile Kairos ist das Koptenviertel auf den Überresten der römischen Festungsanlage Babylon im 6. Jahrhundert vor Christus. Dieses Viertel hat immer noch den größten Anteil der Christen in Ägypten; Kopten waren seinerzeit die "Urchristen" in Ägypten.
Auf dem Markt herrscht dichtes Gedränge. Die Ware hängt draußen und jeder Händler versucht mit Nachdruck seine Ware an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Zu kaufen gibt es Gegenstände des täglichen Bedarfs, aber auch viele Souvenirs für die Touristen. Man findet Kleider, Tücher, Schmuck, Figuren und Figürchen, beeindruckende Gewürzstände und Wasserpfeifen. Zwischendurch laden Kaffeehäuser zum Verweilen an, die den Ägyptern auch als Nachrichten- und Informationszentrum dienen. Beliebte Getränke nebem dem Kaffee sind dort süßer Pfefferminztee und Malventee, heiß oder kalt. Dazu kann man gemütlich eine Wasserpfeife rauchen.
Das Handeln ist ein wichtiger Bestandteil des "Verkaufsgesprächs", es gehört zum guten Ton und ist Kommunikation. Die Markthändler sind enttäuscht, wenn man nicht wortreich handelt. Doch die Nachlassforderungen dürfen auch nicht zu brachial sein. Mehr als 30% sollte man nicht herunterhandeln, vorausgesetzt die Ware ist in Ordnung.
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In Kairo gibt es circa 4.000 bekannte und weniger bekannte Moscheen. Die Moschee ist das Gebetshaus des Moslems. Moscheen dürfen nicht mit Schuhen betreten werden. Männer und Frauen beten in getrennen Bereichen Richtung Mekka. Vor dem Gebet muß man sich waschen. Gebetet wird fünfmal am Tag, nachdem der Muezzin, der Gebetssänger, dazu aufgerufen hat. Wer sich nicht in die Moschee begeben kann, betet an Ort und Stelle auf einem kleinen Teppich. Und wenn man die Gebetszeiten des Tages nicht einhält, kann man die Gebete am Abend nachholen.
Wir haben zwei Moscheen besucht: Die Alabastermoschee des Mohammed Ali und die
Sultan-Hassan Moschee. Mohammed Ali ist es zu verdanken, dass ein Obelisk aus
dem Luxor-Tempel auf dem Place de la Concorde in Paris steht. Er hatte ihn gegen
eine Uhr getauscht, die in der Moschee zu sehen ist.
In der Sultan-Hassan-Moschee befindet sich auch das Grab des letzten Schah von Persien. Dieser war ein Nachfahr des Sultan Hassan.