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Helgoland

Deutschlands einzige Hochseeinsel

Anfang September 2006 haben wir Helgoland besucht. Für diesen Ausflug haben wir uns zwei Tage Zeit genommen und die dazwischenliegende Nacht in einer kleinen Privatpension übernachtet - ich fühlte mich hier sehr an das britische B&B erinnert.;-)

Eine gute Entscheidung, wenn man mehr als die duty-free-Shops sehen will und ohne alles im Eiltempo erledigen zu müssen. Deswegen hatten wir auch Zeit, die zu Helgoland gehörige Strandinsel Düne zu besuchen - für den Tagestouristen unmöglich. Ferner hatten wir dadurch in den ruhigen Zeiten am Abend und am Morgen Gelegenheit, mit Bewohnern der Insel ins Gespräch zu kommen und Antworten auf unsere vielen Fragen direkt vor Ort zu erhalten.

Wen es nach Helgoland zieht, für den bietet sich auch eine Ostsee-Kreuzfahrt an. Von vielen Gesellschaften werden Kreuzfahrten Last Minute angeboten. Etwas Besonderes darunter dürfte die Fahrt mit einem Dampf-Eisbrecher "Wal" sein, der über 70 Jahre auf dem Buckel hat. Neben längeren Touren nach Warnemünde/Rostock oder Lübeck wird auch die Strecke Bremerhaven - Helgoland - Bremerhaven angeboten. Das Schiff hat 1100 PS, es ist 50 Meter lang, über zwölf Meter breit und hat mehr als fünf Meter Tiefgang.

Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel und liegt etwa 70km entfernt vom Festland und hat eine Fläche von etwa 1,7km2. Die Insel ragt 61m über NN aus dem Wasser heraus ist auf Grund der landschaftlichen Höhenunterschiede in drei Bereiche eingeteilt:

Während das Ober- und das Unterland sich auf natürlichem Wege gebildet haben, ist das Mittelland durch Menschenhand entstanden: Es ist der Krater eines Bombenabwurfs. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg hatten die Briten versucht, die Insel komplett zu sprengen. 6700 Tonnen Munition erschütterten das Gestein kilometerweit in die Tiefe. Helgoland trotzte dem Auslöschungsversuch, aber danach war die Insel komplett zerstört - bis auf einen Richtfunkmasten. Kurz vor diesem Sprengversuch wurde die einheimische Bevölkerung evakuiert und Helgoland von den Briten ausschließlich militärisch genutzt. Erst Anfang der 50er Jahre, ausgelöst durch das Engagement zweier Heidelberger Studenten, wurde Helgoland von den Briten an die Bundesrepublik zurückgegeben und man erlaubte den Helgoländern die Rückkehr in ihre Heimat.

Vom Unterland zum Oberland führen insgesamt drei Treppen und ein öffentlicher Fahrstuhl. Auf Helgoland leben heute etwa 1.600 gemeldete Einwohner, von denen einige nicht das ganze Jahr auf der Insel sind.

Genaugenommen besteht Helgoland aus zwei Inseln: Der Hauptinsel, dem "eigentlichen" Helgoland, sowie der vorgelagerten unbewohnten Insel Düne. Beide Inseln waren mal durch einen schmalen Damm aus Sand und Geröll miteinander verbunden, der jedoch durch eine Sturmflut im Jahre 1721 zerstört wurde. Die auffallend rote Farbe des Gesteins entstand durch die Oxydation der relativ hohen Anteile an Eisen und Aluminium, daher nennt man das Gestein auch Buntsandstein. Dieser Helgoländer Buntsandstein ist einmalig auf der ganzen Welt.

Politisch gehört Helgoland zum Kreis Pinneberg im Land Schleswig-Holstein, entsprechend sind hier auch die Telefonvorwahlen und die Kennzeichen der wenigen Elektroautos. Die Amtssprachen sind Hochdeutsch und Friesisch. Der einheimische Dialekt ist "Halunder Spreek" - helgoländisch. Helgoländisch entstammt der urfriesischen Sprache. Halunder wird nur noch von etwa einem Drittel der Bevölkerung gesprochen. Verbreitet - wenn man davon sprechen kann auf dieser kleinen Insel - ist aber auch das niedersächsische Platt.

In der Vergangenheit war Helgoland auf Grund seiner besonderen Lage immer wieder Zankapfel der Regierungen und des Militärs, das dort einen strategisch günstigen Stützpunkt aufbauen wollte. In noch weiterer Vorzeit war die Insel ein beliebter Treffpunkt für Schmuggler und Umschlagplatz für Schmuggelware. Zahlreiche unterirdische Gänge belegen diese beiden Fakten.

Die bekanntesten Naturdenkmäler sind die "Lange Anna", Helgolands Wahrzeichen: Ein freistehender Felsen aus rotem Gestein, und der Lummenfelsen, das kleinste Naturschutzgebiet der Welt. Diese beiden Attraktionen kann man sehen, wenn man die Insel auf dem sogenannten "Klippenweg" umrundet. Während des etwa einstündigen Rundganges findet man am Wegesrand immer wieder Hinweise und Informationen über die Inselgeschichte und die Natur.

Das Ortsbild im Wohngebiet ist geprägt durch viele kleine bunte Häuser im Stil der Hummerbuden. Die Häuser sind klein und die Vorgärtchen meist entzückend, mich hat das teilweise an englische Grundstücke erinnert.
Die Hummerbuden waren früher die Schuppen der Fischer am Hafen, wo sie ihr Fischereizubehör und andere Dinge aufbewahrten, die sie für die Ausübung ihrer Tätigkeit benötigten. Diese kleinen Schuppen waren mit unterschiedlichen Farben bemalt. Die Fischerei am Hafen ist längst eingestellt, aber die Buden am Hafen gibt es heute noch. Sie stehen unter Denkmalschutz und darin befinden sich heute Restaurants, kleine Kunstgewerbeläden und Ähnliches.

Klima

Dank des Einflusses durch den Golfstrom ist das Klima mild. Es gibt in der Regel weder übertrieben heiße Sommer, noch klirrend kalte Winter. Schnee ist sehr selten. Oft ist es bis zu 10 Grad wärmer als im nur etwa 100km entfernten Hamburg und es gibt deutlich mehr Sonnentage als auf dem norddeutschen Festland. (Wir hatten leider die beiden Regentage des Jahres erwischt ;-( )Das Wetter ist so gut wie nicht voraussagbar, wurde uns erklärt. Auf Helgoland ist die Luft staub- und pollenfrei und somit für Allergiker bestens geeignet. Es gibt keine Belastung durch Auto- und Industrieabgase. Auf Grund dieser sauberen und jodreichen Luft ist Helgoland anerkanntes Seeheilbad.

Tier- und Pflanzenwelt

Helgoland ist ein Paradies für Ornithologen - verschiedene Seevögel lassen sich am Lummenfelsen in unmittelbarer Nähe in ihrem natürlichen Lebenraum beobachten:

Seinen Namen verdankt der Lummenfelsen der Trottellumme, die hier im April ihre angestammten Brutplätze aufsucht. Trottellummen legen jeweils nur ein Ei. Wenn die Jungen geschlüpft sind und einige Zeit von den Eltern versorgt worden sind, werden sie - noch flugunfähig - in die Tiefe geschubst. Das ist der sogenannte "Lummensprung", der in den Monaten Juni und Juli - hauptsächlich in der Abenddämmerung - beobachtet werden kann. Die Jungen haben zu diesem Zeitpunkt noch ihre Jungvogel-Daunen.

Auch die Vegatation hat einige Besonderheiten zu bieten: Hier wächst die Wildrübe, die Urform unserer heutigen kultivierten Rübensorten Zuckerrübe, Runkelrübe und Rote Bete. Ferner wächst hier Klippenkohl, der Urahn einiger unserer Speisekohlarten.

Auf Grund des milden Klimas gedeihen hier schon lange Feigen und auch ein recht alter Maulbeerbaum, sowie weitere winterharte mediterrane Gewächse wie etwa diese Palme

Infrastruktur

Autos und Fahrräder sind auf Helgoland verboten. Es gibt einige Ausnahmen und bei diesen Ausnahmen handelt es sich ausschließlich um Elektro-Fahrzeuge: Müllabfuhr, Baufahrzeuge, Polizei und Rettungswagen, sowie ein Touristentaxi. Das Fahrradverbot mutet ein wenig seltsam an. Der Grund dafür ist, dass man vermeiden möchte, das Straßenbild mit Straßenschildern zu "verschandeln". Fürs Radfahren gibt es noch eine weitere Ausnahme: Kinder dürfen das Radfahren üben, bis sie sicher im Sattel sitzen und außerdem dürfen sie im Winter mit dem Rad zur Schule fahren.

Zur Insel Düne fährt in den Sommermonaten im Stundentakt ein kleines Motorboot. Auf Düne selbst befindet sich ein kleiner Flughafen, von dem aus mit kleinen Maschinen die norddeutschen Städte Büsum, Emden, Bremerhaven und Hamburg sowie die ostfriesischen Inseln angeflogen werden. Ansonsten können Einheimische mit dem Schiff aufs Festland fahren, zu Sonderkonditionen.

Touristen reisen in der Regel mit einem großen Seebäderschiff an. Das Schiff kann jedoch nicht bis in den Hafen fahren und daher werden die Besucher mit kleinen Booten, den Börtebooten, an Land gebracht. Man spricht hier vom "ausbooten". Diese Börteboote bestehen aus Eichenholz und sind etwa 10m lang und 3m breit. Börteboote werden auch zum Fischfang eingesetzt.
Alternativ kann man auch mit dem wesentlich schnelleren Katamaran "Halunder Jet" anreisen. Dieser hat kaum Tiefgang und kann daher direkt im Hafen anlegen.

Wirtschaftliche Situation und Tourismus

Helgoland lebt schon lange nicht mehr vom Fischfang, sondern hauptsächlich vom Tourismus. Jeden Tag wird die Insel von mehreren Schiffen angefahren und bringen derzeit bis zu 2.000 Touristen täglich. Das sind sehr viel mehr Menschen, als Helgoland Einwohner hat. Aber wenig im Vergleich zu früheren Zeiten, da gab es Tage mit bis zu 8.000 Besuchern. Zu erklären ist der Rückgang des Besucherinteresses teilweise wohl mit der Grenzöffnung - die Insel Rügen hat sich zum Besuchermagneten entwickelt - sowie durch den Preisverfall bei Pauschalreisen und Städtetrips ins europäische Ausland.

Der größte Teil der Besucher kommt nicht um der Insel willen hierher, sondern wegen der zoll- und mehrwertsteuerfreien Einkaufsmöglichkeiten. So findet man hier in den "Hauptverkehrsstraßen" Laden an Laden mit Schmuck, Markenkleidung, Luxusparfüms, Spiritouosen und Zigaretten. Daher schiebt sich der Besucherstrom hauptsächlich durch die Einkaufsstraßen.
Es ist erstaunlich, was so ab 17.00 Uhr passiert: Da legen die Touristenfähren wieder ab, die Läden machen zu und es herrscht eine himmlische Ruhe und friedliche Stille über der Insel.
Für die Touristen, die länger als einen Tag auf Helgoland bleiben möchten, stehen in Hotels, Pensionen und Privatquartieren etwa 2.000 Betten zur Verfügung.

Der mehrwertsteuerfreie Einkauf ist nicht allein den Touristen vorbehalten, sondern auch die Einheimischen sind von dieser Steuer komplett befreit. Als zusätzliche finanzielle Erleichterung gibt es für die Insulaner auf alle Waren nochmal Rabatt, ich glaube, es sind derzeit 10 oder 15%.

Dem Touristenaufgebot entsprechend angepaßt ist das dichte Netz an Gastronomie. Beschäftigt sind hier hauptsächlich Saisonkräfte vom Festland.

Neben dem Touristengewerbe gibt es noch einige Handwerksbetriebe, Sparkassenfilialen, eine Postagentur und ein paar weitere kleine Dienstleister. Landwirtschaft wird nicht betrieben, dafür ist die Insel zu klein. Allerdings gibt es ein paar Schafe, die unseren Heidschnucken nicht unähnlich sehen, um die Grasflächen kurz zu halten. Seit Anfang der 80er Jahre gibt es außerdem eine weltweit angesehene Meeresforschungseinrichtung: Die Biologische Anstalt Helgoland (BAH). Auch einige Künstler haben die Insel für sich entdeckt und leben und arbeiten hier.

Das Leben auf Helgoland

Dass sich auf einer so kleinen Insel nicht alles hergestellt und produziert werden kann, was die Inselbevölkerung zum Leben braucht, ist wohl einleuchtend. Sämtliche Güter des täglichen Bedarfs, ob Lebensmittel, Möbel, Werkzeuge bis hin zu Baumaterial für Haus und Garten, muß auf dem Seeweg vom Festland geliefert werden. Daher wird Helgoland zweimal in der Woche - Mittwochs und Freitags - von einem riesigen Containerschiff angesteuert und mit einem gewissen Standardsortiment an unterschiedlichen Bedarfsgütern beliefert. Alles, was außerhalb dieses Warensortimentes liegt, kann man extra bestellen.

Lebensmittel und Bedarf des täglichen Lebens werden in insgesamt vier kleinen Supermärkten an die Inselbewohner verkauft. Ferner gibt es einen für alle Einwohner zugänglichen Großmarkt. Eine spezielle Meerwasserentsalzungsanlage versorgt die Bewohner mit frischem Trinkwasser. Das aufwändige Verfahren hat seinen Preis, Frischwasser ist hier rd. 4mal teurer als auf dem Festland. Einmal in der Woche wird der Hausmüll durch die örtliche Müllabfuhr eingesammelt und per Containerschiff aufs Festland gebracht, wo der dann weiterverarbeitet bzw. entsorgt wird.

Für die Kinder auf Helgoland gibt es einen Kindergarten, eine Grundschule und eine Realschule. Wer aufs Gymnasium oder eine andere weiterführende Schule gehen möchte, muß die Insel verlassen. Auch wer einen Führerschein machen möchte, muß aufs Festland und dort z.B. eine Ferienfahrschule besuchen.

Es gibt einige Ärzte auf Helgoland und sogar ein Krankenhaus, das nicht nur die chirurgische und internistische Versorgung sicherstellt, sondern auch erfolgreich ist bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit.

An Freizeitangeboten gibt es ein Schwimmbad, einen Minigolfplatz, eine öffentliche Bücherei und ein Museum.

Essen und Trinken

Die kulinarischen Vorlieben der Helgoländer unterscheiden sich nicht von denen der norddeutschen Küstenlandschaft. Es gibt jedoch ein paar inseltypische Spezialitäten:

Knieper

Als "Knieper" wird eine bestimmte Art von Taschenkrebsen bezeichnet, die in der Nordsee beheimatet sind und von helgoländischen Fischern gefangen werden. Von diesen Kniepern werden die Scheren verwendet und in einem würzigen Sud gekocht. In der Küche werden die harten Schalen vor dem Servieren grob zerschlagen. Bei Tisch findet man dann neben dem üblichen Besteck eine spezielle kleine zweizinkige Gabel, die zum Herauslösen des Krebsfleisches aus den Schalen dient. Zu den Kniepern werden zwei bis drei kalte Saucen auf Mayonnaisebasis gereicht, z.B. mit Curry und Knoblauch, und Stangenweißbrot. Als Getränk wird nicht nur Weißwein empfohlen, sondern ebenso gern Bier, das mit dem leicht nussigen Geschmack des Krebsfleisches in der Tat gut harmoniert.

Für das Knieperessen sollte man sich Zeit nehmen, es erfordert ein wenig Geduld. Aber der Geschmack des zarten Krebsfleisches macht die Mühe wieder wett. Und gesellig ist es allemal ;-).

Eiergrog

Der Ruf des Helgoländer Eiergrogs geht über die Inselgrenzen hinaus. Es handelt sich hierbei um ein stark alkoholhaltiges Heißgetränk. Sehr süß, sehr süffig, aber wahrlich nicht harmlos! Nach dem zweiten Glas sollte man aufhören, denn die Wirkung des Alkohols setzt ziemlich plötzlich ein und ist recht heftig. Wir wissen dieses nur aus Erzählungen und haben den Eiergrog lieber nicht probiert, um unsere Fitness für den nächsten Tag nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. ;-)

Zutaten:

Das Eigelb mit dem Zucker in einem vorgewärmten Eiergrogglas (ein Teeglas tut's auch) leicht schaumig schlagen. Arrak und Rum hinzufügen und zum Schluß mit heißem Wasser aufgießen.

Persönliches Fazit: