
Im September 2004 habe ich Mallorca das erste Mal besucht, unter anderem mit dem Vorsatz, dort zu wandern und viel zu fotografieren. Ersteres habe ich jedoch sehr eingeschränkt, denn es war zu der Zeit sehr heiß und nahezu unerträglich schwül.
Auf eine Zelle in einer Bettenburg waren wir zum Glück nicht angewiesen, sondern konnten in einem Privathaus an der Ostküste der Insel wohnen: In Cala Murada, einem kleinen Dorf an der Ostküste, fernab vom Ballermann.
Die Erde auf Mallorca ist rot und eher steinig. An Bäumen wachsen hier Steineichen, Aleppo-Kiefern, Zitrusfrüchte, Mandel- und Feigenbäume, sowie der Ölbaum, deren Wildform man an den Straßenrändern zuhauf als "Gebüsch" vorfindet. Beeindruckt war ich von den Oleanderbüschen, die nicht nur in Privatgärtgen stehen, sondern häufig auch als öffentliches Grün Verwendung finden. An der Autobahn nach Palma trennt eine üppige Wand aus Oleander kilometerlang die Fahrbahn. Die Palme ist auf Mallorca nicht heimisch - sie wurde einst vom Festland auf die Insel gebracht.
Die Privatgärten der Mallorquiner sind häufig mit allerlei Palmengewächsen, Hibiscus, Geranien, Oleander, Kaktusfeigen und weiteren Sukkulenten bepflanzt. Eine Augenweise sind die violettfarbenen Bouganvillea, die hier in den Sommermonaten an vielen Hauswänden und Laubengängen blühen. Rasenfläche findet man nicht, ohne aufwändige Bewässerung verbrennt der Rasen im Sommer. Da Süßwasser auf der Insel nicht gerade in Strömen fließt, gibt es viele Topfgärten, die das gezielte Feuchthalten der Pflanzen ermöglichen.
Mallorca mißt nur 60 x 90 km, darum kann man in relativ kurzer Zeit viel von der Insel sehen. Da ich nicht allein unterwegs war, sondern als Grüppchen mit drei Erwachsenen und zwei (Klein-)kindern, haben wir uns nur einige Ausflüge beschränkt. Wir haben die Hauptstadt Palma sowie die Orte Inca, Felanitx, Manacor, Sóller und Valdemossa besucht. Den beiden letztgenannten habe ich eine eigene Seite auf der Homepage gewidmet, weil sie mir ausnehmend gut gefallen haben und ich sie etwas ausgiebiger besichtigen konnte.
Unsere Einkäufe haben wir im 15km entfernten Felanitx getätigt. Hier waren wir auch einmal auf dem Markt, der jeden Sonntag vormittag stattfindet. Der eigentliche "Markt", also Lebensmittelhandel, spielt sich in einer Halle ab. Außen gab es im Wesentlichen nur Touristennepp.
Die Küche auf Mallorca ist nicht das, was uns die Frauenzeitschriften als "gesunde, leichte Mittelmeerküche" beschreiben. Sie ist sehr fettreich und die Mallorquiner essen viel Fleisch, hauptsächlich Schweinefleisch, und sogar Wurst. Besonders beliebt ist die Sobrasada, das ist eine Art Paprikamettwurst.
Inca liegt im Landesinneren und ist Mallorcas viertgrößte Gemeinde. Diese Stadt ist mit über 90 Fabriken das Zentrum der Lederverarbeitung. Man kann hier im in Outlet-Stores günstig Markenschuhe und andere Lederartikel kaufen.

Manacor befindet sich im Osten und ist berühmt für seine Kunstperlen, die übrigens die Erfindung eines deutschen Ingenieurs sind. In einem aufwändigen Verfahren wird das Entstehen einer natürlichen Perle nachgeahmt: Auf einen Kunststoffkern wird Schicht für Schicht eine Masse aufgetragen, die aus feingemahlenen Fischschuppen, Muschelsand und etlicher anderer Ingredienzen besteht. Jede der insgesamt ca. 30 Schichten wird mit dem Gasbrenner so stark erhitzt, dass sich die Moleküle der Meeresbestandteile zu größeren Molekülen zusammenschließen. Der Fachmann nennt diesen Vorgang polymerisieren. Die so hergestellten Perlen sind wesentlich robuster als ihre natürlichen Vorbilder. Schweiß, Parfum und Kosmetika können ihnen nichts anhaben. Das Herstellungsverfahren kann man in einer Fabrik besichtigen, aber die Rezeptur ist natürlich streng geheim. Unter dem Namen Majòrica werden diese Perlen in die ganze Welt exportiert. Das langwierige Herstellungsverfahren hat natürlich auch seinen Preis: Majòrica-Perlen sind kaum günstiger als echte Muschelperlen.
Auf Mallorca wird in vielen Orten sehr schöne Keramik hergestellt. Vor einigen Jahren waren Keramikartikel noch relativ günstig, aber seit man endeckt hat, dass sie ein beliebtes Souvenir sind, sind die Preise angezogen. Ich habe mir eine Lampe und einen Wandteller aus Keramik gekauft.
Natürlich war ich auch zum Baden im Mittelmeer. Eigentlich bin ich eher wasserscheu, aber ist das ein Wunder, wenn man nur die Nord- und Ostsee kennt? ;-))