
Sóller - das auch das "Tal des Goldes" genannt wird - hat seinen Namen eben davon - die Mauren nannten den Ort Sulliar. Es gab dort allerdings keine Goldvorkommen, sondern damit war seinerzeit das Olivenöl gemeint. Soller liegt im nödlichen Teil der Insel, hoch in den Bergen. Wenn man von der Hauptstadt Palma nach Soller fährt, kommt man an den Jardines de Alfàbia vorbei und seit Mitte der 90er Jahre braucht man den für einen Flachlandbewohner doch recht abenteuerlichen Weg durch die Berge nicht mehr zu fahren, sondern kann den Tunnel benutzen. Die Durchfahrt kostet ein paar Euro.
Bis weit ins 20. Jahrhundert war der bedeutentste Wirtschaftszweig die Landwirtschaft, insbesondere der Anbau von Orangen, von denen weltweit cirka 100 Varianten bekannt sind. Flüchtlinge aus Frankreich ließen sich hier im 18. Jahrhundert nieder und brachten die Früchte per Schiff nach Frankreich. In Frankreich kümmerten sich Verwandte und Bekannte um die Vermarktung und verkauften das Obst in eigens gegründeten Südfruchtgeschäften unter dem klangvollen Namen "Jardin de l'Espagne" - Garten Spaniens. Innerhalb kurzer Zeit entstand eine Art Genossenschaft, die auch über die französischen Grenzen hinweg tätig war.
Durch den Orangenexport wurde Sóller reich und wirtschaftlich mächtig. Doch der Wohlstand währte nicht lange: 1860 vernichtete ein Schädling fast die gesamte Ernte. Vor allem Bauern, die noch nicht lange da waren, verließen Sóller wieder und gingen zurück nach Frankreich oder ins Exil nach Lateinamerika.
Die Nachfrage nach Südfrüchten steigerte sich wieder, nachdem das Vitamin C entdeckt wurde. Die dagebliebenen Bauern kamen wieder zu Wohlstand und ein Teil der seinerzeit ausgewanderten Bauern und Händler kehrte zurück.

Diese ganze Entwicklung spiegelt sich auch in den Bauwerken Sollers wieder: Imposante Toranlagen, und Innenhöfe, Zäune und Balkone aus Schmiedeeisen. Die Rückkehrer brachten Architektur aus dem Ausland mit und es entstanden Stadthäuser im Kolonial-Stil, im klassizistischen Stil und im Neo-Barock. Sóller wurde neben Palma zu einer der wichtigsten Städte des Jugendstils auf Mallorca.
Die Krise hatte nicht nur negative Auswirkungen. Eine Bank kaufte ein bankrottes Landgut nahe Sóller auf und ließ das Camp d'En Prohom, den einzigen botanischen Garten Mallorcas, aufbauen. Hier sind die Samen sämtlicher nur auf Mallorca heimischen Pflanzen, schockgefroren und aufbewahrt. Es handelt sich hier im ca. 1.700 Arten.
1912 wurde die berühmte Eisenbahnlinie in Betrieb genommen, die Sóller mit der Hauptstadt Palma verbindet. Damit wurde der Hafen, welcher den einzigen Weg nach draußen bot, entlastet. Da vor der Eisenbahn sämtliche Güter per Schiff in die Stadt gebracht wurden, war der Hafen häufig das Angriffsziel von Piraten.
Heutzutage ist die Eisenbahn eine Touristenattraktion. Im gemächlichen Tempo tuckert sie von Palma nach Sóller und zurück.