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Pellworm

Reif für die Insel...

...waren wir mal wieder, als Ziel haben wir uns dieses Mal Pellworm ausgesucht. Eine Insel mit bewegter Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes, was insbesondere die Landmassen betrifft. Pellworm war vor einigen hundert Jahren wesentlich größer und eigentlich nur ein Bezirk/Stadt auf der Insel Alt-Nordstrand. Damals hieß es noch "Pylwaerm". 1362 wurde in einer großen Sturmflut, der "Mandränke", die Insel in Teile gerissen. 6000 Menschen starben, zahlreiche Häuser und Gehöfte versanken im Watt, Halligen und Sande entstanden. Zeugen dieser Zeit findet man noch heute entweder im Wattenmeer oder im Rungholt-Museum Bahnsen. Es handelt sich hier übrigens um ein rein privates Museum, Helmut Bahnsen bekommt keine Gelder von Stadt, Land oder Staat. Einige Euro Eintritt decken seine Kosten sicher nicht annähernd.

Eindeichung neugewonnenen Landes, Ausdeichung nicht mehr zu haltender Gebiete, fortgesetzte Neulandgewinnung und Bau neuer Deiche sowie Landabtrag durch Sturmfluten, aber auch Ansandung durch das Meer verändern auch heute noch Fläche und Küstenlinie dieser Insel. Auch der Mensch ist an den Landverlusten nicht ganz unschuldig, exzessiver Torfabbau destabiliserte das ohnehin gefährdete Inselland zusätzlich.

Pellworm existiert in seiner heutigen Form seit 1634 und gleicht einem Suppenteller im Meer. Die gesamte Landfläche liegt unterhalb des Meeresspiegels, weswegen Pellworm im Gegensatz zu den anderen Nordfriesischen Inseln rundum eingedeicht ist. Die Entwicklung des Kampfes um Neuland und den Sieg der Naturgewalt des Meeres sieht man sehr schön daran, daß heute im Landesinneren sogenannte Mitteldeiche liegen; außen herum die neuen Haffdeiche, die die neugewonnenen Kooge zum Meer abgrenzen.

Fährt man an einem Punkt los und behält den Haffdeich immer auf derselben Seite, so fährt man mit absoluter Sicherheit einmal um die Insel herum und erreicht den Startpunkt wieder.

Deichbau ist absolut überlebenswichtig für die Pellwormer, und so gilt seit alten Zeiten ein Punkt des Deichrechtes: "Wer nicht will deichen, der muß weichen." Wer also eine Hofstelle bewirtschaften wollte, mußte entsprechend Arbeitskraft dem Deichbau zur Verfügung stellen. Schmarotzer sollten auf diese Weise ausgeschlossen werden. Heutzutage trägt jedoch der Staat die Kosten für Deichbau und -instandhaltung.

Wohnen auf Pellworm

Auf Pellworm gibt es noch einige Häuser im Stil der nordfriesischen Haubarge, die mal mehr, mal weniger gut in Schuss sind. Einige Häuser stehen auf sogenannten Warften, das sind künstlich aufgeworfene Erhöhungen, die Haus und Hof vor Hochwasser schützen sollen. Die typische Dacheindeckung dieser Häuser besteht aus Reet, einer heimischen Grasart. Wir erfuhren, dass heutzutage das Reet meistens aus Polen importiert wird. Dieses Reet soll auch haltbarer sein als das friesische.

Überrascht war ich von den relativ günstigen Immobilenpreisen auf der Insel. Normalerweise sind Insel- und Küstenimmobilien exorbitant teuer. Ein Beispiel aus der Anzeige eines Maklers: Wohnhaus in absoluter Alleinlage, Top-Zustand, Wohnfläche ca. 165m2, Grundstück ca. 5.000 m2. Preis: 198.000 EUR.

Das ist ein Preis, der für so ein Objekt sogar für unsere Verhältnisse hier am Rande eines Truppenübungsplatzes nahezu paradiesisch ist. Auf Sylt wäre der Preis für so ein Objekt wahrscheinlich jenseits jeglicher Vorstellungskraft.

Menschen auf Pellworm

Zur Zeit (2007) leben etwa 1.200 Menschen auf da ca. 40km2 großen Insel. Pellworm gehört politisch zum Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein.

Natürlich können sie auch Hochdeutsch, aber wenn man mit Platt ankommt, kommt auch Platt zurück. Und dann heißt es an der Kasse statt "Das macht dreizehn fünfundneunzig" eben "Dat mokt dörtein fiefunnegentich".

Dat weer man jüst na mien Mööt. ;)

Was den Autoverkehr anbelangt: Es gibt nur ein Ortsausgangsschild. Das ist die andere Seite des ersten Ortsschildes, welches man vom Fähranleger kommend erblickt. Alle anderen Ortschaften gehen ineinander über, es gibt keine Ortsenden. Folglich herrscht auf ganz Pellworm Tempo 50. Die Straßen sind oftmals nur so breit, daß ein einzelnes Fahrzeug draufpasst. Bei Gegenverkehr muss man ausweichen, was aber problemlos und stressfrei klappt. Das Fahren auf Pelle macht Spaß. ;)

Wirtschaft

Die beiden größen Wirtschaftsfaktoren sind Tourismus und nicht etwa Fischerei, sondern Landwirtschaft. Es gibt etwa 50 bewirtschaftete landwirtschaftliche Betriebe, die je über ca. 60 Hektar Land verfügen. Angebaut wird Raps, Mais und Getreide. Vermarktet werden die Produkte auf dem Festland. An Nutztieren werden hauptsächlich Schafe gehalten, die im Sommer auf dem Deich grasen. Hier halten sie nicht nur das Gras kurz, sondern treten gleichzeitg den Deichboden fest, was für die Stabilität der Deiche sehr förderlich ist.

Pellworm ist anerkanntes Nordseeheilbad.

Kirche

Die Einwohner Pellworms sind größtenteils evangelisch. Es gibt zwei evangelische Kirchen und der katholische Gottesdienst findet im Momme-Nissen-Haus statt. Die beiden evangelischen Kirchen wechseln sich mit den Gottesdiensten ab.
Die alte Kirche St. Salvator stammt aus dem 11. Jahrhundert und befindet sich ganz im Osten und soll zu früheren Zeiten einmal Mittelpunkt der Insel gewesen sein. Die Ruine des alten Turmes steht direkt hinter der Kirche.

Eine Besonderheit ist die Orgel der Kirche. Sie wurde im Jahre 1711 von dem berühmten Orgelbauer Arp Schnitger erbaut. Die Orgel hat einen so hervorragenden Klang, das in dieser Kirche sogar Aufnahmen für Musik-CD's gemacht werden.