
Dieses war das erste Mal, dass wir eine Reise in dieser Art gemacht haben, bislang wohnten wir in Ferienhäusern oder speziell ich habe geführte Rundreisen mit einem Bus gemacht.
Über das Internet habe ich einen Flug und einen Mietwagen gebucht und die Unterkünfte haben wir uns vor Ort gesucht. Das alles stellte sich als sehr unproblematisch heraus, so dass wir sicher nicht zum letzten Mal "auf eigene Faust" verreisen werden. Leicht gemacht wird es dem Reisenden vor allem durch das gut funktionierende touristische Netzwerk des schottischen Fremdenverkehrsamtes, VisitScotland. Es ist möglich, im untersten Süden Zimmer und Eintrittskarten für den obersten Norden im Voraus zu buchen - übers Internet sogar schon von Deutschland aus. Das habe ich für unsere erste Nacht gemacht
Da man, wenn man auf diese Art reist, logischerweise keinen Reiseleiter oder sonstigen Ansprechpartner hat, sollte man sich gut vorbereiten und ein bis zwei Reiseführer gehören auf jeden Fall in den Koffer. Ansonsten kann man den Aufenthalt nicht gut genug ausnutzen, weder zeitlich noch qualitativ.
Geflogen sind wir ab Lübeck mit der Ryan Air bis Prestwick. Von dort sind wir nach Stirling gefahren und über Perth durch die Grampian Mountains die A9 Richtung Inverness gefahren, wobei wir auf der halben Strecke in Pitlochry eine Nacht verbracht haben. Ab Inverness haben wir uns westlich gehalten, haben zur Insel Skye hineingeschnuppert und dann ging es wieder Richtung Osten nach Fort William, Inveraray und ins Naturschutzgebiet Trossach zum Loch Lomond. Unsere Vorletzte Station war wieder Stirling und die letzte Nacht verbrachten wir in Prestwick in Flughafennähe. Insgesamt haben wir etwa 1.500 km zurückgelegt, die unser Mietauto, ein Ford Focus, tapfer bewältigt hat.
Gekostet hat uns diese Reise ungefähr 2.000 EUR - für eine Woche eine Menge Geld. Das liegt zum großen Teil am Gefüge Kaufkraft/Wechselkurs. Weiterhin sind Individualreisen immer teurer als Gruppenreisen, die Veranstalter können natürlich ganz andere Preise aushandeln. Wir hätten das Ganze auch günstiger gestalten können, indem wir in Jugendherbergen gewohnt (ca. 6 Pfund statt 25 Pfund Übernachtungskosten pro Nacht und Kopf) und uns ausschließlich von Fast Food ernährt hätten. Aber das ist für mich nicht der Sinn einer Reise, als Jugendlicher sieht man das vielleicht anders. Heute sage ich mir, entweder ich reise nach meinem Gusto oder ich lasse es ganz bleiben.
Teuer sind die Eintritte in Schlösser, Museen und Gärten und man ist geneigt zu fragen, wofür eigentlich - das Preis-Leistungsverhältnis erschließt sich nicht auf den ersten Moment. Kultur- und Naturdenkmäler werden größtenteils privat unterhalten und finanziert bzw. durch einen Fonds wie z.B. dem National Trust of Scotland und den Eintrittsgeldern der Besucher.
Mai und Juni ist aus meiner Sicht eine ideale Reisezeit nicht nur für Schottland, sondern für ganz Großbritannien. Die Temperaturen erreichen zwar noch keine Höhepunkte, aber es sind die Monate mit den statistisch geringsten Niederschlägen: Wir hatten vom ersten bis zum letzten Tag gutes Wetter ohne Regen und Nebel. Um diese Zeit hat man auch noch keine Probleme, auch nachmittags noch ein Quartier zu finden, denn die Hauptreisezeit ist Juli bis August. Außerdem kommen gerade jetzt Naturfreunde voll auf ihre Kosten, viele Bäume, Sträucher und Blumen blühen jetzt.

Gewohnt haben wir in Privathäusern, die bed and breakfast - Übernachtung mit Frühstück - anbieten. Leute, die in ihren Häusern ein bis mehrere Zimmer leerstehen haben, vielleicht weil die Kinder ausgezogen sind, verdienen sich auf diese Art und Weise gern ein paar Pfund zum Lebensunterhalt dazu. Im B&B bleibt man normalerweise eine Nacht. Am späten Nachmittag ist das Zimmer bezugsfertig und bis 10.00 Uhr am nächsten morgen sollte man das Zimmer geräumt haben. Selbstverständlich kann man aber auch mehrere Tage in so einem Haus verbringen.
Steht auf einem Schild "vacancies", sind noch Zimmer frei, anderenfalls steht dort "no vacancies". Die Buchung einer solchen Unterkunft ist sehr unkompliziert, man geht einfach hinein und fragt nach einem freien Zimmer. B&B-Unterkünfte gibt es zuhauf, man muss sich normalerweise keine Sorgen machen, dass man auf einer Parkbank schlafen muss. Lediglich in der Hochsaison im Juli und August empfiehlt es sich, das Zimmer sehr früh am Tag zu buchen bzw. über ein TIC am Vortage zu buchen. Man erspart sich dadurch Zeit und Fahrerei. Das TIC erhebt eine kleine Gebühr für diesen Service.
Die meisten B&B's sind VisitScotland angeschlossen. Dieses prüft auch die Unterkünfte und vergibt "Sterne", wie man sie von Hotels kennt. Die Sterne sollte man jedoch nur als grobe Richtschnur ansehen, die Kriterien für die Sternevergabe von VisitScotland müssen noch lange nicht die eigenen sein. So haben wir z.B. eine Nacht in einem wunderschönen Haus gewohnt, dass die Unterkünfte im 2. Stockwerk hatte - sowas reicht u.U. schon für einen "Punktabzug". In einem anderen Haus haben wir zweimal übernachtet, das hatte nur zwei Sterne. Es war ein schlichtes altes Bauernhaus auf einem noch bewirtschafteten Hof. Die Einrichtung war einfach und "gutbürgerlich", das Bad auf Etage. Trotzdem haben wir uns hier einfach wohlgefühlt und ich glaube, in keiner anderen Unterkunft haben wir das Leben und den Alltag der schottischen Landbevölkerung besser kennen gelernt. Wir fühlten uns wie Familienbesuch und nicht wie zahlende Gäste.

Das Zimmer mit Badbenutzung und Frühstück am Familientisch ist das B&B im klassischen Sinne. Die Ansprüche der Touristen sind jedoch gestiegen und daher haben die meisten Unterkünfte Zimmer mit eigener Toilette/Dusche. Auch ein Fernseher gehört zur Standardeinrichtung sowie ein Heißwasserbereiter und Teekochzubehör für den early-monring-tea. Manche B&B's gleichen schon eher Pensionen.
Bei den Zweier- Zimmern wird zwischen twinroomunddoubleroom unterschieden. Beim twinroom stehen zwei getrennte Betten im Zimmer und beim doubleroom ein Doppel- bzw. Ehebett.
Die Kosten für eine Übernachtung im B&B liegen irgendwo zwischen Jugendherberge und Hotelunterkunft - je nach Ausstattung und Lage so etwa zwischen 20 und 35 Pfund pro Nase und Nacht. In der Hauptsaison heben die meisten Häuser die Preise teilweise kräftig an. Bezahlt wird das Zimmer kurz vor der Abreise meist in bar, Kreditkartenzahlung hat sich (noch) nicht durchgesetzt.