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Occhi

Occhi, auch Schiffchenarbeit oder Frivolité genannt, ist eine heutzutage kaum noch ausgeübte Handarbeit. Die englische Bezeichnung lautet "tatting". Die Technik der Schiffchenarbeit ist sehr alt, schon die alten Ägypter und Chinesen sollen sie gekannt haben. Aus dem Orient gelangte Occhi in den europäischen Raum. Es ist dort unter der Bezeichnung "Makuk" bekannt, wobei "Makuk" eigentlich das Werkzeug, das Schiffchen, ist.

In früheren Zeiten wurde Occhi oft nicht des Ergebnisses wegen von den feinen Damen ausgeführt, sondern zum Selbstzweck: Die Hände der Dame kamen dabei sehr schön zur Geltung und der Anblick war sehr anmutig. Occhi war auch eine beliebte Handarbeit der Damen an den königlichen und kaiserlichen Höfen, als diesbezüglich sehr fleißig galt Königin Mary von England (1622 bis 1695) und auch von Madame Pompadur ist bekannt, dass sie diese Handarbeit schätzte.
Gern ließen sich Damen des französischen und englischen Adels mit einem meist juwelenbesetzten Schiffchen in der Hand malen, z.B. die Herzogin von Albermale, gemalt von Sir Joshua Reynolds (1723-1792).

Altes Arbeitsheft aus den 20-er Jahren
Occhi-Lehrbuch aus den 20er Jahren

In den 20er Jahren hatte die Schiffchenspitze einen Höhepunkt ihrer Beliebtheit. Aus dieser Zeit stammen die schönsten Arbeiten überhaupt, ebenso eine Reihe wunderbarer Lehrbücher, die auch heute noch brauchbare Vorlagen liefern. In Deutschland hatte der "Occhi-Boom" ein abruptes Ende, als der Krieg begann: Die Frauen mußten warme Kleidung für die Soldaten stricken. Seit dem ist Occhi in Deutschland nie wieder richtig in Mode gekommen, während das Interesse daran im westlichen Ausland, selbst in Australien und Amerika, nach wie vor ungebrochen ist.

Das links abgebildete Lehrbuch, erschienen im Frühjahr 1920, stammt vom Verlag Otto Bener aus Leipzig und wurde von Emmy Liebert bearbeitet. Der Preis betrug damals 7.20 Mark einschließlich Teuerungszuschlag, das war wohl damals so etwas wie die Mehrwertsteuer. :-)

Großansicht einer Heftseite

Occhispitze besteht aus aneinandergereihten, festen Doppelknoten und Ösen, auch "Picots" genannt. Aus dünnem Garn werden zierliche Spitzen und Decken hergestellt, die aber erstaunlich robust sind.
Die Spitzen schmückten früher in erster Linie Taschentücher und Bekleidung. Heutzutage wird Occhispitze auch aus gröberen und farbigen Garnen hergestellt. So eignet sie sich z.B. als Verzierung für Tischdecken und Vorhänge.
Die vielfältigen Muster bestehen fast immer aus nur zwei Elementen: Ringen und Bögen, die in einer bestimmten Abfolge und Größe gearbeitet werden und an vorherige Elemente geknüpft werden. Bis zum 19. Jahrhundert kannte man nur Ringe. Bögen und auch die Picots kamen später hinzu.

Hauptarbeitsgerät ist das Schiffchen, darum wird Occhi auch als Schiffchenarbeit bezeichnet. Das Occhischiffchen besteht aus zwei gewölbten Platten, die in der Mitte durch einen kegelförmigen Steg fest verbunden sind. In diesem Steg ist ein kleines Loch, da wird der aufzuspulende Faden durchgeführt und mit einem einfachen Knoten fixiert.

Früher waren die Schiffchen oft aus sehr kostbaren Materialien gearbeitet, wie Gold und Elfenbein - mitunter sogar mit Juwelen besetzt. Selbst aus Meißner Porzellan soll es Schiffchen gegeben haben. Anfang des Jahrhunderts wurden sie aus Zelluloid gefertigt.

Die heutigen Schiffchen bestehen aus mehr oder minder hochwertigen Kunsstoffen und sind im gut sortierten Handarbeits-Fachhandel erhältlich. Manche Schiffchen haben eine "Nase" an einer Spitze, diese soll die Häkelnadel für das Verschlingen der Ösen ersetzen. Diese Nasen brechen, insbesondere bei leichten Plastikschiffchen, sehr leicht ab.

Occhischiffchen gibt es in unterschiedlichen Größen. Auf die größeren Schiffchen kann mehr Garn gespult werden, das ist insbesondere bei dickem Garn ein Vorteil. Das Schiffchen darf nur so weit aufgespult werden, dass rechts und links kein Garn "herausquillt".

Wichtig ist, dass die Oberfläche des Schiffchens glatt ist und eine kleine Wölbung hat. Außerdem muß man darauf achten, dass die Spitzen der beiden Platten sich berühren; beim Spulen muß das an einem Klickgeräusch zu merken sein. Die Spitzen dürfen aber auch nicht zu dicht
Besonders achten muß auf die Kanten, sie müssen vollkommen glatt sein, weil sonst der Faden beschädigt wird. Auf dem rechten Bild ist eine schlechte Verarbeitung des Schiffchens deutlich zu erkennen.