Die Kreuzstickerei hat in Dänemark eine sehr lange Tradition, obwohl den meisten und berühmtesten Arbeiten, die zu Anfang des 18. Jahrhunderts erstellt wurden, deutsche Vorlagen zugrunde liegen. Diese Vorlagen wurden später jedoch von dänischen Künstlern verdrängt. Meistens ließen sich diese Künstler durch das alltägliche Leben und Schaffen inspirieren, es entstanden Mustervorlagen für Kissen, Teppiche und Decken.
Die dänische Gesellschaft zur Förderung der Handarbeit (Selskabet til Haandarbejdets Fremme) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die alte Sticktradition zu bewahren und geeignete Muster und Materialien zur Verfügung zu stellen. Gertie Wandel, die Autorin der vorgestellten Bücher, hatte viele Jahre den Vorsitz dieser Gesellschaft.

Die Arbeiten der 1900 geborenen Designerin Gerda Bengtsson zeichnen sich zu Liebe zum Detail aus. Sie kam per Zufall zur Teppichweberei; über die Webmuster stellte sie einen Bezug zum Kreuzstich her. Die dänische Stickerei von Bengtsson fasziniert durch exakte Ausführung und macht Decken und Wandbehänge einmalig. Von Weitem lassen sich die aufwändigen Handarbeits-Motive auf Leinen oft nicht von einfachen Stoffdruck Techniken unterscheiden. Kostengünstiger Textildruck ist in Eigenarbeit mit speziellen Textilfarben machbar. Inspirationen liefern Batikmuster, die mit Wachs und Bändern gestaltet werden. Zu den einfachsten Methoden gehört der Kartoffeldruck, der bevorzugt in Kindergärten und im Schulunterricht angewandt wird. Motive werden in die Kartoffel geritzt. Wer auf alte Handarbeiten Wert legt, versucht sich an der dänischen Stickerei.
Die Malerin Elso Johnson trug maßgeblich zur Erhaltung der alten Tradition bei. Sie führte eine Sticktechnik ein, bei der das Motiv nicht ausgestickt wird, wie es bei der Straminstickerei der Fall ist. Ferner verwendete sie zum Sticken Garn aus dem gleichen Material und der gleichen Qualität wie der Stickstoff. Dieses Garn ist die Grundlage, nach der das Dänische Blumengarn noch heute durch die Handarbeits-Gilde in der ganzen Welt verkauft wird.
Der Däne Einar Hansen, ein Experte für Pflanzenfarben, schuf erstmalig Farbtafeln für das Garn. Den jedoch größten Einfluß auf die Garnfarben nahm die Malerin und Weberin Gerda Bengtsson, die Schöpferin der "Dänischen Blumenstickerei". Aufgrund ihrer Blumenmuster entstand der Name "Dansk Blomstergarn - Dänisches Blumengarn."
Dänisches Blumengarn gibt es in 102 natürlich wirkenden Farben. Die Oberfläche ist matt. Es ist einfädig, besteht aus reiner Baumwolle und ist gleichmäßig und fest versponnen. Es läßt sich mühelos verarbeiten, ist robust, lichtecht und wäscht sich nicht aus. Seit 1930 wird es nach einem speziellen, traditionell überlieferten Verfahren, mit Pflanzenfarben eingefärbt.
Schön, dass diese vielen unterschiedlichen Menschen der dänischen Stickerei durch ihren jeweiligen Einsatz zu einer neuen Renaissance verholfen haben. Ihnen ist es zu verdanken, dass diese alte Tradition nicht in Vergessenheit geraten ist und an die nächsten Generationen weitergegeben werden kann. Und manchmal scheint es zumindest so, als ob Sticken weit mehr als nur ein Handwerk ist. Teilweise scheint es eher ein Kunst(hand)werk zu sein.